29.05.2006 / LOKALAUSGABE / WestdeutscheZeitung

Fünf Medaillen für deutsche Judokas - Tölzer siegt


Schwergewicht  
Andreas Tölzer posiert nach seinem Goldmedaillensieg für die Fotografen.

Tampere/Hamburg (dpa) - Deutschlands Judokas kehren mit der besten Europameisterschafts-Bilanz seit drei Jahren zurück in die Heimat.

Bei den kontinentalen Titelkämpfen in Tampere/Finnland eroberte das zwölfköpfige Aufgebot des Deutschen Judo-Bundes (DJB) eine Gold-, eine Silber- und drei Bronzemedaillen. Zum Abschluss des dreitägigen Championats sicherte sich der Mönchengladbacher Andreas Tölzer den Titel im Schwergewicht, Heide Wollert aus Halle/Saale gewann im Mittelgewicht (bis 70 kg) Silber und schließlich steuerte Dimitri Peters aus Rotenburg (Halbschwer/bis 100 kg) eine weitere Bronzemedaille bei. «Wir sind rundum zufrieden. Das Selbstbewusstsein auf dem Weg nach Peking 2008 ist gewachsen», sagte Sportdirektor Manfred Birod und lud sein Team zu einer ausgelassenen Jubelfeier in Tamperes Innenstadt ein.

Tölzer setzte sich im Finale gegen den polnischen Vize- Europameister Janusz Wojnarowicz durch Haltegriff nach zweieinhalb Minuten durch. Im vergangenen hatte er gegen denselben Rivalen bereits in der Vorrunde verloren. «Einfach riesig. Denn nach meiner Schulterverletzung im letzten Jahr wusste ich nicht so recht, wo ich stehe», sagte Tölzer. Der 26 Jahre alte Soldat feierte damit seinen größten internationalen Erfolg.

Heide Wollert wollte nach dem zweiten EM-Platz vor drei Jahren diesmal auf dem obersten Podest stehen. Doch die 24 Jahre alte Studentin wurde im Finale von der französischen Vizeweltmeisterin Gevrise Emane mit Ausheber-Handwurf unsanft auf die Tatami gelegt. Zuvor hatte Wollert im Halbfinale die belgische WM- und EM-Dritte Catherine Jacques aus dem Rennen geworfen.

Einen Einstand nach Maß hatte Dimitri Peters bei seinem EM-Debüt. Der 22 Jahre alte deutsche Meister vom TuS Rotenburg schaltete im «kleinen Finale» den mehrfachen Europameister und Olympia-Dritten Ariel Zeevi aus Israel aus und hatte auf dem Weg dorthin WM- und EM- Medaillengewinner nach Hause geschickt. ««Hervorragend, was der Junge geleistet hat», meinte Birod.

Michaela Baschin aus Backnang (Superleicht/bis 48 kg) und die Sprembergerin Mareen Kräh in (Halbleicht/bis 52 kg) hatten am Eröffnungstag jeweils Bronze gewonnen. «Zwei Medaillen in den untersten Klassen - das gab's noch nie», sagte der Sportdirektor, der seinem Team «eine sehr gute Mannschaftsleistung» attestierte.

Die vor dem Championat als sicherste deutsche Medaillenbänke angesehen Athleten patzten dagegen. Olympiasiegerin und Vizeweltmeisterin Yvonne Bönisch aus Potsdam kam nach zwei Siegen und zwei Niederlagen nicht über Platz sieben im Leichtgewicht (bis 57 kg) hinaus. «Sie stand gleich nach dem Aufstehen neben sich, hatte keine Siegeszuversicht und quälte sich über den Tag», erklärte Birod. Titelverteidiger Ole Bischof aus dem bayerischen Abensberg wurde im Halbmittelgewicht (bis 81 kg) nur Fünfter. Die beiden Ex- Europameisterinnen Sandra Köppen (Brandenburg/über 78 kg) und Jenny Karl (Wiesbaden/bis 78 kg) blieben gar schon in der Vorrunde hängen. Während Köppen nach allen Regeln der Kunst ausgekontert wurde, musste Karl wegen einer Knieverletzung aufgeben.

 

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